Etappe 6: Amarillo, TX – Moriarty, NM

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Die Nacht war gar nicht so stürmisch, wie der Bericht der letzten Etappe hätte vermuten lassen können. Wir haben jedoch nach dem Post mitbekommen, dass die in den Fotos geteilte Superzelle wohl von einem Flächenbrand in der Nähe von Amarillo verursacht wurde. Sowas gibt’s wohl nur in Texas, dass ein wenig Feuer zu Unwetter führt, das kleinere Tornados mit sich bringt. Wir haben davon aber nur das imposante Gebilde am Himmel gesehen.

Heute ging es mal ohne Frühstück zügig auf die Route 66. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Supermarkt erreichten wir nach ein paar Meilen die Cadillac Ranch. Hier hat jemand zehn dieser Kult-Autos halb im Boden vergraben und zum Besprühen freigegeben.

Irgendwann war uns die texanische Sonne dann doch zu viel und wir parkten unser Wohnmobil an einem ganz besonderen Cafe.

Das ist das Midpoint Cafe. Benannt nach dem Mittelpunkt der Route 66. Neben der Linie auf der Straße zeugt auch ein Schild mit fest montiertem Fotostativ von der besonderen Relevanz dieses Ortes.

Wir hatten also die Hälfte der Strecke der Mother Road hinter uns gebracht. Illinois, Missouri, Kansas, Oklahoma und Texas hatten wir schon bereist – und das in nur wenigen Tagen. Auf den Schreck meldeten sich unsere Mägen und es gab solide Burger im Midpoint Cafe. Einem schmeckte es wohl besonders…

Frisch gestärkt ging es wieder auf die Betonstrecke, die wir schon so lieb gewonnen hatten. Wir hofften interessante Sehenswürdigkeiten, pulsierende Metropolen oder spannende Attraktionen. Die Navigatoren verkündeten jedoch, dass auf den nächsten Meilen nur leere Fläche zu finden wäre. Was uns dann aber geboten wurde, übertraf die falschen Erwartungen: Die Landschaft…

Kurz nach dem Midpoint der Route 66 passierten plötzlich mehrere Sachen gleichzeitig. Wir verließen Texas, wir erreichten New Mexico, unsere Uhren stellten sich eine Stunde zurück (für uns alle war dies das erste Mal, dass wir auf dem Landweg eine Zeitzone überschritten hatten) und die Landschaft veränderte sich fast schlagartig.

Es öffneten sich ganz weite Ebenen mit spärlicher Vegetation. Immer wieder mal eingekreist von felsigen Bergketten. Oft brach der rote Erdboden hervor. Dann waren statt grünen Büschen nur noch verdorrtes, braunes Gestrüpp zu sehen, nur um ein paar Meilen weiter wieder von üppiger, lebendiger Vegetation abgelöst zu werden. Wir hatten auf der ersten Hälfte der Route schon mehrfach über die Aussicht gestaunt, aber die Etappe ab dem Midpoint war wirklich so unerwartet abwechslungsreich, malerisch, bestaunenswert und irgendwie so typisch amerikanisch, wie noch kein Abschnitt zuvor. Die Bilder hier können das gar nicht so richtig wiedergeben, aber wir haben auch noch etwas Videomaterial gesammelt, das aber noch verarbeitet werden muss.

Eigentlich wollten wir relativ früh zu einem Campingplatz fahren, der sich an einem State-Park mit Stausee befand, aber das aktuell dort herrschende Feuerverbot hätte uns abends deutlich untersteakt schlafen gehen lassen. Also gaben wir Gas und fuhren weiter gen Westen. In Moriarty fanden wir dann einen kleinen, aber feinen Platz für die Nacht. Hier wurden wir sehr freundlich aufgenommen und auch der Grill durfte ausgepackt werden.

So lassen wir es uns gut gehen und wünschen heute allen Müttern alles Liebe zum Muttertag!